Der eine oder anderer aus der geneigten Leserschaft hier hat doch bestimmt auch den Newsletter von www.alex-degenhardt.de abonniert, oder? Dann ist ihm sicherlich auch schon aufgefallen, daß gelegentlich, in unregelmäßigen Abständen, ein solcher auch an alle, die sich irgendwann einmal eingetragen haben, versandt wird. Seit Mai 2004 insgesamt 209 Mal.
Diese Anmeldung ist freiwillig, kostet kein Geld und kann vor allem nicht mißbraucht werden, denn man muß der Anmeldung zum Newsletter erst mit einer Bestätigungsmail, die an die angegebene Adresse versandt wird, zustimmen. Insofern kann man wohl davon ausgehen, daß ein signifikant hoher Anteil der Abonnenten sich mit der Zielsetzung, den Newsletter auch zu bekommen, angemeldet hat.
Ich möchte nicht ausschließen, daß man diese Anmeldung irgendwann bereut, sei es, weil man zum Anmeldezeitpunkt geistig umnachtet war oder ganz simpel, weil sich die eigenen Interessen verschoben haben und man plötzlich doch lieber wieder Briefmarken sammelt,
KillerVideospiele dattelt - oder weil die neue Freundin alle Wolke-Bilder von der Wand gerissen hat...
Jedenfalls ist so ein Newsletter ja nicht vergleichbar mit einem Tatoo, mit dem man für den Rest seines Lebens gebranntmarkt ist (ja, ich weiß, die lassen sich angeblich inzwischen auch wieder entfernen, aber da habe ich keine praktischen Erfahrungswerte).
Möchte man einen Newsletter nicht mehr empfangen, dann meldet man sich einfach wieder ab - fertig. Meine Webseite ist ja keine Spam-Schleuder und ich bin auch kein Adresshändler, so daß eine Abmeldung a) einfach und b) möglich ist.
Sicherlich gibt es auch manchmal Abonnenten, die nicht über die notwendige Geduld verfügen, nach dem Abmeldelink zu suchen (ad.de aufrufen, Navigation “Newsletter” anklicken, austragen) und einfach auf den Newsletter antworten und mehr oder weniger ausführlich darum bitten, abgemeldet zu werden. Dies geschah in der Vergangenheit auch immer höflich und wurde nach vollzogener Abmeldung meist auch noch mit einem “Danke” quittiert.
Inzwischen weiß ich aber, daß es auch anders geht - und daß man manchmal in die irritierende Situation gerät, mit Menschen konfrontiert zu werden, die - diplomatisch formuliert - ein wenig anders ticken. Gut, die BILD wird am Tag 3,44 Millionen mal verkauft - eigentlich wundert man sich da über gar nichts mehr...
Am 13. Mai bekam ich wieder einmal eine Antwort auf einen versandten Newsletter:
mouch ich nimmer
Soso... hm... “mouch”... Google findet 211.000 Treffer, keiner davon hilft mir so wirklich weiter. Wikipedia Fehlanzeige. Das Wort scheint französisch zu sein, also Online-Translator aufrufen, nachgucken,
Babelfish kennt es nicht.
Also doch das Hirn einschalten und das Überlegen anfangen. Ein lateraler Denkprozess wird in Gang gesetzt und bereits nach erfrischen kurzer Zeit geht mir das Licht auf, der Sender könnte möglicherweise meinen, er möchte den Newsletter nicht mehr haben.
Da sich mir nicht erschließt, warum er das dann nicht klar und deutlich sagt, bin ich ein klein wenig verunsichert, so daß ich beschließe, mich zunächst dumm zu stellen.
Wer mich kennt weiß, daß ich in eMails immer höflich bin und normalerweise auch Anrede und Gruß verwende. Jedoch war ich von dem Inhalt der eMail so irritiert, daß ich auf gleichem Niveau zurückschrieb:
Bitte was?
Immerhin habe ich “bitte” gesagt!
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten:
mouch ich nimmär
Gut - gehen wir mal analytisch vor: Die Antwort impliziert mir, daß der Absender offensichtlich kein Verständnis dafür hat, daß ich ihn nicht verstehe, er geht auf meine Frage nicht ein und wiederholt sein “Anliegen” erneut, variiert immerhin einen Buchstaben im Wort “nimmär”, was bei mir einen leicht unangenehmen Beigeschmack von Schärfe oder Ungeduld hinterläßt. Also gehe ich volles Risiko, setze alles auf eine Karte und schreibe folgendes:
Sorry - damit kann ich nichts anfangen. Wenn Du den Newsletter nicht mehr empfangen möchtest, tippe bitte laut und deutlich “Ja”, dann trage ich Dich aus der Liste aus...
Bereits wenige Minuten später - als warte mein Gegenüber nur darauf - trudelt die Antwort ein:
nein
Hurra - eine Antwort, die ich verstehe! Endlich ein klares Wort! Sogar fast fehlerfrei (Großbuchstabe am Anfang)! Damit kann ich etwas anfangen. Er möchte also nicht ausgetragen werden. Ok, jetzt weiß ich zwar immer noch nicht, was er ursprünglich gewollt hat, aber damit lasse ich die Sache einfach auf sich beruhen. Erwartungsgemäß kommt auch nichts weiteres mehr von ihm.
Bis vorgestern! Da habe ich den Newsletter Nr. 208 verschickt. Und wenige Stunden nach dem Versenden trudelte eine neue Antwort von ihm ein:
will ich nimmer
Drei Wörter Klartext! Gut, “nimmer” steht sogar im Duden, dabei hätte ich das auch noch als Mundart toleriert. Ich vertraue meinen kognitiven Fähigkeiten und ziehe den gewagten Schluß, daß er damit das gleiche ausdrücken möchte, wie mit “mouch ich nimmer”. Und da er ja bereits beim letzten Mal nicht abgemeldet werden wollte und diesen Wunsch klar und deutlich mit einem “nein” Audruck verlieh, kam ich dem auch diesmal nach und meldete ihn nicht ab. Zwar wußte ich immer noch nicht, was er eigentlich wollte - aber mal ehrlich: Hab’ ich die Zeit, mich mit solchen Typen rumzuschlagen, die nicht klar sagen, was sie wollen? Die sich nicht artikulieren können oder wollen, die unhöflich sind und keine vernünftige Anwort zu geben in der Lage sind?
NEIN!
Doch bereits einen Tag später ging das Trollen weiter, denn - der Leser ahnt es vermutlich schon - nach dem Versenden von Newsletter Nr. 209 meldete sich Mr. Rhetorik erneut bei mir:
ich will den nimmer kapierstes net
Ich bereue bis heute, daß ich nicht so schlagfertig war und lapidar mit “nein” geantwortet habe. Allerdings war ich inzwischen ziemlich sauer auf Mr. Ich-sag-was-ich-will und nach dem Finden von 5 Rechtschreibfehlern in einem Satz mit 6 Wörtern formulierte ich meine Antwort:
Hallo,
> ich will den nimmer kapierstes net
darf ich Dich an unseren Dialog vom vorletzten Newsletter erinnern?
Du: “mouch ich nimmer”
Ich: “Bitte was?”
Du: “mouch ich nimmär”
Ich: “Sorry - damit kann ich nichts anfangen. Wenn Du den Newsletter nicht mehr empfangen möchtest, tippe bitte laut und deutlich ”Ja“, dann trage ich Dich aus der Liste aus...”
Du: “nein”
Diesmal wieder von Dir: “will ich nimmer”
Wenn ich einen Newsletter nicht mehr empfangen möchte, dann nutze ich eine von drei Möglichkeiten:
1. Abmeldelink innerhalb des Newsletters (ganz unten in jedem von mir versandten Newsletters)
2. Abmelden über die Homepage. Auf dem Link “Newsletter” auf ad.de kann man sich an- und wieder abmelden.
3. Abmeldung über den Webmaster. Wenn 1. und 2. aus irgendwelchen Gründen scheitern, schreibe ich eine höfliche eMail mit Anrede und Gruß an den Webmaster und bitte darum, abgemeldet zu werden.
Auf die Idee, auf einen Newsletter zu antworten, bin ich bisher noch nicht gekommen - und da Du beim letzten Mal meine Frage nach einer Abmeldung eindeutig verneint hast, habe ich Dich auch nicht abgemeldet.
Dein jetziges Anliegen war ein wenig klarer formuliert, deshalb habe ich die eMail-Adresse XXXXXXXXXXXX@XXXXX.XXX aus der Liste der Newsletterabonnenten entfernt:
Der Abonnent XXXXXXXXXXXX@XXXXX.XXX wurde erfolgreich gelöscht.
Liebe Grüße,
Martin (webmaster http://www.alex-degenhardt.de )
Auch diesmal kam die Antwort bereits einige Minuten später. Ok - es waren zwei Antworten, die im Abstand von wenigen Sekunden hier ankamen:
nein
ja
Die Frage, was Mr. Copperfield-des-geschriebenen-Wortes damit jetzt aussagen wollte, weiß ich nicht und es ist mir auch inzwischen völlig egal. Inzwischen verstehe ich, daß man mir unterstellt, ich wäre zu nett und würde zu viel Geduld beweisen - und ich bin froh, daß Mr. Riddle kein Kunde von mir ist, der - zu Recht - auf Höflichkeit und Geduld bestehen kann.
Jetzt bin ich gespannt und hoffe inständig, daß Mr. Miracle kein Anwalt ist und mich für den veröffentlichten eMailverkehr abmahnt. Wobei seine Worte wohl eher keine markante und schützenswerte geistige Schöpfungshöhe erreicht haben.
Und abgesehen davon gebe ich zu, daß ich richtig neugierig auf das Lesen des Abmahnschreibens wäre...
abgegeben